
Die Dokumentation
Am 7. Oktober eröffnete Habanos S.A. in London vor rund 400 Gästen die Feiern zum 60-jährigen Bestehen von Cohiba. Im Mittelpunkt stand die Aufnahme der erstmals 2017 als limitierte Edition produzierten Cohiba Talismán in das reguläre Sortiment. Die am Folgetag veröffentlichte Pressemitteilung erwähnte Sanktionen mit keinem Wort.
Zur gleichen Zeit hatte das Unternehmen, das diese Zigarren nach Deutschland, Österreich und Polen liefert, seit einem Monat keine einzige Kiste mehr versandt. Die 5th Avenue Products Trading GmbH im grenznahen Waldshut-Tiengen steht seit dem 9. September unter gerichtlich angeordneter vorläufiger Insolvenzverwaltung.
Verwalter André Berbuer schildert eine bemerkenswerte Lage: Sämtliche Konten sind gesperrt, Zahlungen unmöglich, obwohl ausreichend Geld vorhanden ist. Nach seiner Darstellung sind EU-Sanktionen gegen einen mittelbaren Gesellschafter die einzige Ursache der finanziellen Schwierigkeiten.
Dieser Gesellschafter ist Chen Zhi, der in den USA wegen Betrugs- und Geldwäscheverschwörung angeklagt ist und seit Januar 2026 in China festgehalten wird. Gerichtliche Bekanntmachungen, Unternehmenserklärungen, Sanktionsentscheidungen und registergestützte Berichte zeigen, wie die Sanktionen von Kambodscha bis in Europas Zigarrenregale gelangten.
Eine Unterscheidung ist entscheidend: Weder Cohiba noch der weltweite Markenvermarkter Habanos ist das Unternehmen im Insolvenzverfahren. Betroffen ist der exklusive Importeur für diese drei Länder.
Das Verfahren in Waldshut-Tiengen: 4 IN 194/26
Am Freitag, dem 4. September, wurde die Krise sichtbar. Geschäftsführer Christoph A. Puszkar teilte Händlern schriftlich mit, das Unternehmen könne bis auf Weiteres weder neue Bestellungen annehmen noch Waren ausliefern (halfwheel, Nicotine Insider).
Das Schreiben nannte zwei Gründe: vorübergehende Einschränkungen bei Bankverbindungen sowie eine laufende Compliance- und Sanktionsprüfung eines Gesellschafters. Dessen Name blieb unerwähnt.
Fünf Tage später, am 9. September, ordnete das Amtsgericht Waldshut-Tiengen die vorläufige Insolvenzverwaltung an, Aktenzeichen 4 IN 194/26 (DTZ, Northdata). Rechtsanwalt André Berbuer von der Freiburger Kanzlei BSK Berbuer Speier Kuhn wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt; zugleich wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingerichtet.
Den Antrag stellte das Unternehmen selbst. Sein Informationsschreiben an Beteiligte bestätigt den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens und nennt die schnellstmögliche Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit als Ziel. Auf seiner Website betont 5th Avenue, die Ursachen lägen nicht im operativen Geschäft.
Dem Schreiben zufolge beantragte das Unternehmen bei den zuständigen Behörden eine förmliche Bestätigung seines Status hinsichtlich der geltenden sanktionsbedingten Beschränkungen. Laut Verbraucherschutzforum verschärfte das Gericht am 25. September die Maßnahmen durch ein allgemeines Verfügungsverbot. In amtlichen Bekanntmachungen ließ sich diese Entscheidung während unserer Recherche nicht bestätigen.
Ein profitables Unternehmen
5th Avenue wurde 1989 als Gemeinschaftsunternehmen mit Habanos gegründet, vertreibt 27 Zigarrenmarken und beschäftigt 49 Menschen (t-online).
Die im Register ausgewiesenen Zahlen für 2024 verdeutlichen die Lage: rund 63,8 Millionen Euro Umsatz, 20,2 Millionen operativer Gewinn und 14,4 Millionen Nettogewinn (finews). Das Problem ist ein blockiertes Zahlungssystem, kein gescheitertes operatives Geschäft.
Die Krise betrifft auch nichtkubanische Zigarren. Ein Händler meldet Lieferstopps bei VegaFina, Flor de Copán und Henry Clay, die denselben Vertriebsweg nutzen (Rauch Lounge). Auch der für den 10. Oktober auf Schloss Bückeburg geplante Habanos Day wurde wegen Einschränkungen im Zusammenhang mit der laufenden Prüfung eines Gesellschafters abgesagt (habanosday.de).
Geld vorhanden, Zahlungen unmöglich: Wie die Sanktionen die Banken erreichten
Den Auslöser setzte Brüssel am 30. Juli 2026. Der EU-Rat listete im Rahmen seiner globalen Menschenrechtssanktionen sieben Personen und drei Organisationen. Die Mitteilung richtete sich ausdrücklich gegen die Prince Holding Group und ihren Vorsitzenden Chen Zhi (EU-Rat).
Der Rat beschrieb Prince als einen milliardenschweren kambodschanischen Konzern, der Anlagen für Betrugszentren errichte. Vermögenswerte der Gelisteten wurden eingefroren; EU-Bürger und Unternehmen durften ihnen keine Mittel bereitstellen. Für natürliche Personen kamen Reiseverbote hinzu. Rechtsgrundlagen waren die Durchführungsverordnung 2026/1895 und der Ratsbeschluss 2026/1896.
5th Avenue steht nicht auf der Liste. Die EU-Praxis erstreckt das Einfrieren aber auf Unternehmen im Eigentum oder unter Kontrolle gelisteter Personen. Die 2024 aktualisierten Leitlinien definieren Eigentum als mindestens 50 Prozent, wobei verstreute Beteiligungen zusammengerechnet werden (Akin Gump).
Chens mittelbarer Anteil an 5th Avenue liegt deutlich darunter. Multipliziert man die Quoten der früheren Struktur, ergibt sich rund 16 Prozent (DTZ); nach der Anteilsübertragung vom September 2025 sind es etwa 23 Prozent.
Die Leitlinien nennen auch Warnzeichen für Kontrolle unterhalb der Eigentumsschwelle: etwa wenn die sanktionierte Person größter Anteilseigner ist oder komplexe Strukturen mit Briefkastenfirmen bestehen. Die Habanos-Kette führt über mehrere Ebenen durch Hongkong, die Cayman Islands und die Britischen Jungferninseln.
Wer entscheidet letztlich? EU-Kommissionssprecher Saul Goulding erklärte, Sorgfaltsprüfung und Risikomanagement seien Aufgabe jedes einzelnen Marktteilnehmers (Nicotine Insider). Nach Angaben von finews verlangt Brüssel für jede nicht gelistete Tochtergesellschaft eine gesonderte Eigentums- und Kontrollprüfung. Die deutschen Banken hätten diese Prüfung vorgenommen, mit dem erkennbar restriktiven Ergebnis (finews).
Berbuer zufolge sind die Vermögenswerte seit Ende August eingefroren; Zahlungen benötigen die Zustimmung der Bundesbank (für-Gründer). Er bemüht sich bei Bundesbehörden um zumindest eine teilweise Freigabe (t-online).
Die Distanz der Banken begann früher. Nach den US-Sanktionen vom Oktober 2025 wurde im März 2026 über die Schließung einiger Konten des Benelux-Importeurs Laguito 1492 und von 5th Avenue berichtet (Nicotine Insider). Ein ungenannter Importeur bezeichnete die Bank-Compliance als riesige Blackbox.
Die Branche protestiert. Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Bundesverbands der Zigarrenindustrie, verwies darauf, dass die sanktionierte Person ihren Anteil nicht mehr kontrolliere. Die aus seiner Sicht unverhältnismäßigen deutschen Maßnahmen verursachten erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten; die Folgen für den gehobenen Einzelhandel seien nicht absehbar (DTZ).
Die Beteiligungskette: von Havanna auf die Britischen Jungferninseln
Habanos S.A. vertreibt 27 Marken, darunter Cohiba, Montecristo, Partagás und Romeo y Julieta, in mehr als 130 Märkten (Habanos). Eine Hälfte gehört dem kubanischen Staatsunternehmen Cubatabaco, die andere einem privaten Partner (14ymedio).
Die private Hälfte lag lange bei der spanischen Altadis, ab 2008 bei der britischen Imperial Brands. Am 27. April 2020 gab Imperial den Verkauf seines weltweiten Zigarrengeschäfts für insgesamt 1,225 Milliarden Euro bekannt (Imperial Brands).
Das Geschäft außerhalb der USA erwarb die Madrider Allied Cigar Corporation für 1,04 Milliarden Euro. Das Paket umfasste 50 Prozent an Habanos, 50 Prozent an Altabana S.L., die über mehr als 20 verbundene Importeure vertreibt, sowie Fabriken in Honduras und der Dominikanischen Republik. Imperial bezeichnete die Käufer lediglich als Konsortien individueller Investoren.
Die Identität der Käufer war von Anfang an umstritten. Radio Free Asia berichtete im Oktober 2022 unter Berufung auf eine ungenannte Branchenquelle, Chen habe das Unternehmen anderthalb Jahre zuvor heimlich erworben (RFA). Prince Group verwies Fragen an seine PR-Agentur; eine Antwort blieb aus.
Berichte auf Grundlage spanischer Register und schwedischer Dokumente machen die Kette heute weitgehend sichtbar (halfwheel, finews). Die private Habanos-Beteiligung führt über ITI Cigars, Tabacalera und Allied Cigar Corporation zu Asia Uni in Hongkong und weiter zum Allied Cigar Fund auf den Cayman Islands. An der Spitze hält Simply Advanced Ltd, eine vollständig Chen gehörende Gesellschaft der Britischen Jungferninseln (BVI), 57,1 Prozent.
Die übrigen 42,9 Prozent sollen der Renovaire Group aus Abu Dhabi gehören (finews). Das US-Sanktionsamt OFAC listete Simply Advanced am 14. Oktober 2025 wegen der Verbindung zu Chen. Allied, Tabacalera und Habanos sind dagegen nicht gelistet (OFAC).
Danach hielt Chen im August 2025 mittelbar etwa 28,5 Prozent an Habanos und war nach dem kubanischen Staat der zweitgrößte Eigentümer (halfwheel). Die verbreitete Aussage, Prince Group besitze die Hälfte von Habanos, ist deshalb unvollständig. Gehalten wird der Anteil über eine Chen vollständig gehörende BVI-Gesellschaft, die die USA dem Prince-Netzwerk zuordnen. Ihr effektiver Habanos-Anteil beträgt etwa 28,5 und nicht 50 Prozent.
Habanos-Beteiligungskette im Oktober 2026
| Verbindung | Berichtete Beteiligung oder Stellung |
|---|---|
| Chen Zhi → Simply Advanced Ltd, BVI | 100 %; beide sind sanktioniert; die Gesellschaft steht seit Januar 2026 unter vorläufigen Liquidatoren |
| Simply Advanced → Allied Cigar Fund / Asia Uni | 57,1 %; die übrigen 42,9 % sollen Renovaire gehören |
| Allied Cigar Fund / Asia Uni → Allied Cigar Corporation, Madrid | 100 %; die Kette umfasst Tabacalera und ITI Cigars |
| Private Kette → Habanos S.A. | 50 %; die andere Hälfte hält Kuba; Chens effektiver Anteil liegt bei etwa 28,5 % |
| Private Kette → Altabana S.L. | 50 %; die kubanische Seite hält die andere Hälfte |
| Altabana → 5th Avenue | 80 % nach der berichteten Übertragung, Familie Villiger 20 %; Chens effektiver Anteil je nach Struktur etwa 16–23 % |
| Altabana → Intertabak AG | 50 %; Chens effektiver Anteil etwa 14,3 % |
| Altabana → Hunters & Frankau | 50 %; Betrieb unter britischer Lizenz |
Chen und Simply Advanced sind sanktioniert. Der mittelbare Anteil am deutschen Importeur bleibt deutlich unter der EU-Eigentumsschwelle von 50 Prozent.
Tabacalera bestätigte die Verbindung im Dezember 2025. Ein Sprecher sagte AFP, Chen sei Allieds Mehrheitsgesellschafter; Schritte zu seinem vollständigen Ausschluss aus dem operativen Geschäft würden unternommen (swissinfo/AFP).
Wer kontrolliert den Anteil heute?
Am 9. Januar 2026 wurden auf Antrag der BVI-Generalstaatsanwaltschaft Paul Pretlove, James Drury und David Standish von Interpath zu vorläufigen Liquidatoren von 30 Prince-verbundenen Unternehmen bestellt (Interpath). Sie sollen Vermögen sichern und Rückzahlungen an mutmaßliche Geschädigte ermöglichen.
Simply Advanced gehört dazu. Das US-Insolvenzgericht für den südlichen Bezirk New York erkannte die BVI-Liquidation am 11. Juni 2026 als ausländisches Hauptverfahren an. Es wies Einwände von Cosimo Borrelli zurück, der sich als Direktor einiger Gesellschaften bezeichnete (Gerichtsentscheidung). Das erklärt den Hintergrund des BdZ-Einwands, Chen kontrolliere den Anteil nicht mehr.
Laut finews ist Renovaire der wahrscheinlichste Käufer seiner 57,1 Prozent. Einen abgeschlossenen Verkauf fanden wir bei der Recherche nicht.
Die Akte Chen Zhi: Vorwürfe, Sanktionen und Haft
Der 1987 geborene Chen gründete und leitet die kambodschanische Prince Holding Group. China bezeichnet ihn als chinesischen Staatsbürger. Seine kambodschanische Staatsangehörigkeit wurde im Dezember 2025 durch königliches Dekret widerrufen (Cambodianess).
Unsere Recherche ergab keine rechtskräftige Verurteilung in irgendeinem Land. Die folgenden Anschuldigungen bleiben Vorwürfe; Prince Group weist sie sämtlich zurück.
USA. Am 14. Oktober 2025 gab das Justizministerium eine Anklage im östlichen Bezirk New York bekannt. Chen wird Verschwörung zu Telekommunikationsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen; bei Verurteilung drohen bis zu 40 Jahre Haft (DOJ).
Laut Anklage betrieb er in Kambodscha Anlagen, in denen Zwangsarbeiter Kryptowährungs-Anlagebetrug nach dem sogenannten Pig-Butchering-Modell begingen. Am selben Tag wurde eine zivilrechtliche Einziehungsklage über ungefähr 127.271 Bitcoin erhoben. Mit einem damaligen Wert von rund 15 Milliarden Dollar war sie die größte in der Geschichte des Ministeriums. Das Verfahren läuft; eine endgültige Einziehungsentscheidung liegt nicht vor.
Sanktionen. Am selben Tag sanktionierte das US-Finanzministerium 146 Personen und Organisationen innerhalb der von ihm so bezeichneten transnationalen kriminellen Organisation Prince Group (US-Finanzministerium). Großbritannien listete ebenfalls Chen und Prince Group; eine Villa nördlich von London im Wert von zwölf Millionen Pfund wurde eingefroren (GOV.UK).
Bei weiteren Sanktionen vom 23. Juni 2026 erklärte das US-Finanzministerium, das Netzwerk investiere kriminelle Erlöse unter anderem in Immobilien, Luftfahrt und Luxuszigarren. Die Zigarrenverbindung findet sich damit auch in Washingtons Unterlagen.
Festnahme. Nach einer Operation vom 6. Januar 2026 übergab Kambodscha Chen und zwei weitere chinesische Staatsbürger an China. Das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte, Chen sei am 7. Januar aus Phnom Penh gebracht worden. Er werde wegen des Verdachts auf Casinobetrieb, Betrug, illegale Geschäftstätigkeit und Verschleierung krimineller Erlöse festgehalten (Xinhua).
Caixin berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, seine Festnahme sei am 6. Juli förmlich bestätigt worden (Caixin). In Taiwan wurden am 4. März 2026 in einem Prince-bezogenen Geldwäscheverfahren 62 Personen und 13 Unternehmen angeklagt (Focus Taiwan).
Verteidigung. Prince Group wies im November 2025 Vorwürfe illegaler Tätigkeiten durch den Konzern oder seinen Vorsitzenden entschieden zurück. Die Anschuldigungen seien haltlos und sollten eine rechtswidrige Beschlagnahme von Milliardenvermögen rechtfertigen (Malay Mail/AFP).
Chronologie
| Datum | Entwicklung |
|---|---|
| 27. April 2020 | Imperial verkauft das Zigarrengeschäft; Allied zahlt 1,04 Milliarden Euro für das Paket einschließlich 50 % an Habanos |
| 7. Oktober 2022 | RFA berichtet mit ungenannten Quellen über Chens geheimen Kauf |
| 14. Oktober 2025 | US-Anklage und Einziehungsklage für 127.271 Bitcoin; US-Sanktionen gegen 146 Personen und Organisationen; britische Listung Chens und Prince Groups |
| 15. Dezember 2025 | Göteborg entzieht dem skandinavischen Importeur wegen der Chen-Verbindung die Tabaklizenz |
| 16. Dezember 2025 | Tabacalera bestätigt Chen als Allied-Mehrheitsgesellschafter |
| 6.–7. Januar 2026 | Kambodscha übergibt Chen an China |
| 9. Januar 2026 | Vorläufige Liquidatoren für 30 Prince-verbundene BVI-Unternehmen |
| 11. Juni 2026 | New Yorker Insolvenzgericht erkennt BVI-Liquidation an |
| 23. Juni 2026 | US-Finanzministerium nennt Luxuszigarren als Anlagefeld krimineller Erlöse |
| 1. Juli 2026 | Elite Trading beschließt laut Flamman freiwillige Liquidation |
| 30. Juli 2026 | EU listet Chen und Prince Holding Group; Spanien friert Tabacalera-Konten ein |
| Ende August 2026 | Vermögenswerte von 5th Avenue werden eingefroren |
| 4. September 2026 | 5th Avenue stoppt Lieferungen |
| 9. September 2026 | Gericht ordnet vorläufige Insolvenzverwaltung an |
| 7. Oktober 2026 | Weltweite Cohiba-Talismán-Präsentation in London |
Dominoeffekt: Göteborg, Madrid und beide Rheinufer
5th Avenue ist kein Einzelfall. Die Importeure im Altabana-Netzwerk sind unterschiedlich stark betroffen. Entscheidend sind die jeweiligen Sanktionsregime und die Risikobereitschaft der Banken.
| Markt | Unternehmen | Lage im Oktober 2026 | Quelle |
|---|---|---|---|
| Deutschland, Österreich, Polen | 5th Avenue Products Trading | Lieferstopp seit 4. September; vorläufige Insolvenzverwaltung seit 9. September | DTZ |
| Spanien | Tabacalera, privater Habanos-Partner | Konten seit 30. Juli eingefroren; Zahlungen nur mit Finanzbehörden-Genehmigung | finews |
| Schweden | Elite Trading Scandinavia, früher Habanos Nordic | Lizenzentzug Dezember 2025; freiwillige Liquidation im Juli 2026 beschlossen | Flamman |
| Großbritannien | Hunters & Frankau | Nach Oktober 2025 weitgehend lahmgelegt; Betrieb mit britischer Lizenz | finews |
| Benelux | Laguito 1492 | Kontoschließung berichtet | Nicotine Insider |
| Schweiz | Intertabak AG | Keine bekannten Einschränkungen; Bern übernahm EU-Liste nicht | finews |
| Türkiye | Phoenicia Trading T.A.A., Limassol, Zypern | Keine gemeldete Störung | Habanos |
Deutschland. Deutschland war 2024 der fünftgrößte Habanos-Markt weltweit (Cigar Aficionado). Nach einer Erklärung des kubanischen Außenministeriums von 2025 ist es mit 20 Geschäften zugleich größter Markt der Ladenkette La Casa del Habano (OnCuba).
Händler dürfen vorhandene Bestände weiterverkaufen (DTZ). Ein Heinsberger Geschäft erwartet mit der Knappheit steigende Preise und mehr Fälschungen (Rauch Lounge).
Spanien. Die spanischen Finanzbehörden froren Tabacaleras Konten am 30. Juli ein. Seitdem benötigt jede Zahlung eine vorherige Genehmigung (finews). Gehälter verzögerten sich, bevor die erforderlichen Freigaben erteilt wurden (14ymedio). Geschäftsführer Fernando Domínguez schrieb Anfang August per E-Mail, Tabacalera unterliege nun diesen Sanktionen (Nicotine Insider).
Es war nicht der erste Rückschlag. Laut finews beendete ING España die Geschäftsbeziehung Ende 2025. Tabacalera beantragte Ende Februar 2026 vorinsolvenzlichen Schutz und arbeitet seit dem Frühjahr mit einer befristeten US-Lizenz.
Schweden. Göteborg entzog Elite Trading Scandinavia am 15. Dezember 2025 wegen der Chen-Verbindung die Tabaklizenz. Die Gesellschafter beschlossen am 1. Juli 2026 die freiwillige Liquidation. Hatem Sabbagh sagte Flamman, das Unternehmen habe rund 45 Prozent des schwedischen Zigarrenmarkts gehalten (Flamman).
Schweiz. In der Schweiz, dem Sitz von The Ledgers, ist die Lage anders. Bern übernahm die EU-Liste vom 30. Juli nicht. Laut finews existiert in der Schweiz kein Menschenrechtssanktionsprogramm, das Chen erfasst.
Sein mittelbarer Anteil an der Prattelner Intertabak AG beträgt 14,3 Prozent und liegt unter der bankseitigen Meldeschwelle für wirtschaftlich Berechtigte von 25 Prozent. Nach finews verfolgen Schweizer Banken Zwischengesellschaften nur dann weiter, wenn eine natürliche Person mehr als 50 Prozent kontrolliert. Bislang sind bei Intertabak keine Einschränkungen bekannt.
Der Unterschied ist erheblich. Die Schweiz war 2024 nach China und Spanien Habanos’ drittgrößter Markt (Habanos). Zwischen Waldshut-Tiengen und Pratteln liegen ungefähr 40 Kilometer und der Rhein: Auf der einen Seite sind Konten blockiert, auf der anderen läuft das Geschäft normal.
Türkiye. Habanos nennt die in Limassol ansässige Phoenicia Trading T.A.A. (Cyprus) Ltd als exklusiven Vertriebspartner für Türkiye, außerdem für Griechenland, Pakistan, Kuwait und Jemen (Habanos). Für den türkischen Markt wurde keine sanktionsbedingte Störung gemeldet.
Havannas Schweigen, Londons Lichter
Die einzige bekannte Habanos-Erklärung zur Krise stammt von Anfang September. Das Unternehmen arbeite eng mit Vertriebspartnern weltweit an der Geschäftskontinuität; Priorität habe die langfristige Tragfähigkeit. Konkrete Einzelfälle oder Geschäftsangelegenheiten wollte es nicht kommentieren (Cigar Aficionado).
Die Pressestelle hatte OnCubas Fragen bis zu dessen Veröffentlichung nicht beantwortet (OnCuba). Einen angekündigten Ersatzimporteur für Deutschland, Österreich oder Polen fanden wir nicht.
Habanos bezeichnete den Londoner Auftakt als ersten großen Schritt des zum Cohiba-Jahr erklärten Jubiläums (Habanos). Zitiert wurde auch Jemma Freeman, Vorsitzende des britischen Importeurs Hunters & Frankau. Altabana hält 50 Prozent des Unternehmens, das seit den Sanktionen unter britischer Lizenz arbeitet.
Talismán ist keine neue Zigarre. Sie erschien erstmals als Edición Limitada 2017 und wird nun als neuntes Format dauerhaft in die Línea Clásica aufgenommen. Habanos-Entwicklungsvize José María López Inchaurbe beschrieb Cohiba als einzigartigen Luxus: authentisch, kompromisslos und tief in Kuba verwurzelt.
Was die Zahlen zeigen
Habanos meldete für 2024 einen Rekordumsatz von 827 Millionen Dollar, 16 Prozent mehr als zuvor. Europa lieferte 54 Prozent der Verkäufe. Die größten Märkte waren der Reihe nach China, Spanien, Schweiz, Großbritannien und Deutschland (Habanos). Öffentlich zugängliche Zahlen für 2025 fanden wir nicht.
Nach den von finews angeführten Daten erzielte Habanos 2024 einen Gewinn von 119,6 Millionen Euro und schüttete etwa 87 Prozent aus. Jede Eigentümerseite erhielt 52,3 Millionen Euro. Das zeigt die Größenordnung des Geldflusses zum privaten Partner.
Zum Umsatzwachstum trugen auch Preise bei. Laut 14ymedios Wiedergabe einer Financial-Times-Recherche von Anfang September verdoppelte die Marke 2023 die Preise. Eine Cohiba Behike 52 kostete im Januar 2022 noch 55 Euro, im Januar 2026 bereits 230 Euro (14ymedio). Der Londoner Händler Laurence Davis sagte, das Bild des gewöhnlichen Rauchers kubanischer Zigarren sei zerstört worden.
Analyse: Sanktionen reichen weiter als das Aktionärsregister
Der Fall zeigt die Distanz zwischen schriftlichen Sanktionsregeln und ihrer Anwendung. Die EU-Eigentumsschwelle beträgt 50 Prozent, Chens mittelbarer Anteil an 5th Avenue höchstens 23 Prozent. Trotzdem wurden Konten blockiert, weil angesichts des unsicheren Kontrolltests praktisch die Compliance-Abteilungen der Banken die Grenze ziehen.
Brüssels Haltung, jeder Marktteilnehmer müsse selbst prüfen, überlässt der vorsichtigsten Bank die Last der Ungewissheit. Sie schließt lieber die Tür, als das Risiko zu übernehmen. So wird ein profitables Unternehmen mit 49 Beschäftigten und seinen Einzelhändlern lahmgelegt.
Der zweite Widerspruch betrifft Kontrolle. Einfrieren soll verhindern, dass die gelistete Person auf Geld zugreift. Chen sitzt aber seit Januar 2026 in China in Haft; seine Beteiligungsgesellschaft wird von gerichtlich bestellten Liquidatoren kontrolliert. Die Kosten tragen Beschäftigte, Händler und Lieferkettenpartner, die selbst keine Sanktionsziele sind.
Drittens geht es um Transparenz. Beim Verkauf 2020 wurden nur Konsortien individueller Investoren genannt; 2022 wurde die Chen-Verbindung journalistisch bekannt. Konkrete Schritte folgten erst der US-Anklage: OFAC-Listung im Oktober 2025, Göteborgs Lizenzentzug im Dezember. Den wirtschaftlich Berechtigten von Anfang an zu kennen, wäre billiger gewesen, als die Kette sechs Jahre später zu entwirren.
Viertens unterliegt dieselbe Lieferkette vier Regelwerken. US- und britische Lizenzen schaffen Spielraum; deutsche Banken frieren Konten ein; die Schweiz übernimmt die EU-Liste gar nicht. Diese Zersplitterung lässt die geografische Lage stärker als einen einheitlichen Rechtsrahmen über die Lieferkette entscheiden.
Zwei Auswege sind erkennbar: der Verkauf des Simply-Advanced-Anteils an einen von der Sanktionsproblematik freien Käufer oder Bundesbank-Lizenzen. Bis dahin dürfte Kubas bekanntestes Exportprodukt an Verfahren in New York, den Britischen Jungferninseln und China gebunden bleiben.
Auch für türkische Unternehmen ist die Lehre klar: Eine Person am äußersten Ende der Eigentümerkette eines Lieferanten oder Vertriebspartners kann binnen Tagen Kontensperren auslösen. Die Prüfung wirtschaftlich Berechtigter ist bei der Partnerwahl keine Formalität mehr.
Die angeführten Seiten wurden für den Artikel am 9. Oktober 2026 abgerufen. Der Financial-Times-Artikel vom September 2026 war nicht direkt zugänglich; seine Ergebnisse werden über 14ymedio wiedergegeben.
Auf Grundlage von Berichten von: Northdata: 5th Avenue, 4 IN 194/26; 5th Avenue: Stakeholder information, September 2026; 5th Avenue: Notice, 14 September 2026; Habanos Day: Cancellation notice; Imperial Brands: Disposal, 27 April 2020; Habanos: Cohiba Talismán, 8 Oktober 2026; Habanos: 2024 results, 24 Februar 2025; Habanos: Distributors; USA Bankruptcy Court (SDNY): In re Prince Global Holdings Limited, 11 Juni 2026; Interpath: Provisional liquidators, 13 Januar 2026; EU Council: Sanctions, 30 Juli 2026; USA Department of Justice: Chen Zhi indictment, 14 Oktober 2025; USA Treasury: Prince Group sanctions, 14 Oktober 2025; USA Treasury: Further sanctions, 23 Juni 2026; OFAC: SDN update, 14 Oktober 2025; GOV.Vereinigtes Königreich: Joint Vereinigtes Königreich–USA sanctions, 14 Oktober 2025; Xinhua: Ministry of Public Security statement, 8 Januar 2026; DTZ: 5th Avenue unter vorläufiger Insolvenzverwaltung, 11 September 2026; t-online: Kubanische Zigarren-Exklusivimporteur ist insolvent, 16 September 2026; für-Gründer: EU-Sanktionen treffen deutschen Premium-Zigarrenimporteur; Verbraucherschutzforum: Allgemeines Verfügungsverbot, 27 September 2026; Rauch Lounge Heinsberg: Notice, 23 September 2026; finews (EN): Habanos, Chen Zhi and 5th Avenue, 14 September 2026; finews (DE): Habanos, Chen Zhi and 5th Avenue, page 2; halfwheel: 5th Avenue pauses deliveries; halfwheel: Sanctions and the premium cigar business, Dezember 2025; Cigar Aficionado: Deutschland halts distribution of Cuban cigars, 8 September 2026; Nicotine Insider: Banks cut off European Cuban cigar distributors, 18 März 2026; Nicotine Insider: Zhi sanctions hit EU cigar distribution network, 5 September 2026; 14ymedio: Tabacalera accounts frozen, 13 September 2026; 14ymedio: Financial Times reporting, 4 September 2026; OnCuba: European Habanos sales under pressure, 8 September 2026; Flamman: Swedish importer in liquidation, 17 August 2026; swissinfo/AFP: Chen Zhi and Habanos, 16 Dezember 2025; RFA: Hun Sen ally linked to secretive billion-dollar Cuban cigar deal, 7 Oktober 2022; Cambodianess: Chen Zhi deported, 7 Januar 2026; Caixin: Arrest approval, 27 Juli 2026; Focus Taiwan: Indictment, 4 März 2026; Malay Mail/AFP: Prince Group denies allegations, 12 November 2025; Akin Gump: EU ownership and control guidance, Juli 2024.
Quelldokumente
40- Northdata: 5th Avenue, 4 IN 194/26northdata.de
- 5th Avenue: Stakeholder information, September 20265thavenue.de
- 5th Avenue: Notice, 14 September 20265thavenue.de
- Habanos Day: Cancellation noticehabanosday.de
- Imperial Brands: Disposal, 27 April 2020lse.co.uk
- Habanos: Cohiba Talismán, 8 Oktober 2026prnewswire.com
- Habanos: 2024 results, 24 Februar 2025prnewswire.com
- Habanos: Distributorshabanos.com
- USA Bankruptcy Court (SDNY): In re Prince Global Holdings Limited, 11 Juni 2026bankruptcylitigation.blog
- Interpath: Provisional liquidators, 13 Januar 2026interpath.com
- EU Council: Sanctions, 30 Juli 2026consilium.europa.eu
- USA Department of Justice: Chen Zhi indictment, 14 Oktober 2025justice.gov
- USA Treasury: Prince Group sanctions, 14 Oktober 2025home.treasury.gov
- USA Treasury: Further sanctions, 23 Juni 2026home.treasury.gov
- OFAC: SDN update, 14 Oktober 2025ofac.treasury.gov
- GOV.Vereinigtes Königreich: Joint Vereinigtes Königreich–USA sanctions, 14 Oktober 2025gov.uk
- Xinhua: Ministry of Public Security statement, 8 Januar 2026xinhuanet.com
- DTZ: 5th Avenue unter vorläufiger Insolvenzverwaltung, 11 September 2026tabakzeitung.de
- t-online: Kubanische Zigarren-Exklusivimporteur ist insolvent, 16 September 2026t-online.de
- für-Gründer: EU-Sanktionen treffen deutschen Premium-Zigarrenimporteurfuer-gruender.de
- Verbraucherschutzforum: Allgemeines Verfügungsverbot, 27 September 2026verbraucherschutzforum.berlin
- Rauch Lounge Heinsberg: Notice, 23 September 2026rauch-lounge.com
- finews (EN): Habanos, Chen Zhi and 5th Avenue, 14 September 2026finews.com
- finews (DE): Habanos, Chen Zhi and 5th Avenue, page 2finews.ch
- halfwheel: 5th Avenue pauses deliverieshalfwheel.com
- halfwheel: Sanctions and the premium cigar business, Dezember 2025halfwheel.com
- Cigar Aficionado: Deutschland halts distribution of Cuban cigars, 8 September 2026cigaraficionado.com
- Nicotine Insider: Banks cut off European Cuban cigar distributors, 18 März 2026nicotineinsider.com
- Nicotine Insider: Zhi sanctions hit EU cigar distribution network, 5 September 2026nicotineinsider.com
- 14ymedio: Tabacalera accounts frozen, 13 September 202614ymedio.com
- 14ymedio: Financial Times reporting, 4 September 202614ymedio.com
- OnCuba: European Habanos sales under pressure, 8 September 2026oncubanews.com
- Flamman: Swedish importer in liquidation, 17 August 2026flamman.se
- swissinfo/AFP: Chen Zhi and Habanos, 16 Dezember 2025swissinfo.ch
- RFA: Hun Sen ally linked to secretive billion-dollar Cuban cigar deal, 7 Oktober 2022rfa.org
- Cambodianess: Chen Zhi deported, 7 Januar 2026cambodianess.com
- Caixin: Arrest approval, 27 Juli 2026china.caixin.com
- Focus Taiwan: Indictment, 4 März 2026focustaiwan.tw
- Malay Mail/AFP: Prince Group denies allegations, 12 November 2025malaymail.com
- Akin Gump: EU ownership and control guidance, Juli 2024akingump.com
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